Yvonne Sprotte

Artist and Art Therapy

Zum eigenen künstlerischen Schaffen

Die unmittelbare Wirklichkeit dient der Künstlerin Yvonne Sprotte als kreative Inspiration. Stimmungen, die vom ersten Eindruck zum individuellen Ausdruck führen, werden mit kräftigen Farben auf die Fläche gebannt. Das Geschaffene steht für das Erlebte und die Entfaltung von Energie.

Die Künstlerin, Kunstpädagogin uns Kunsttherapeutin Yvonne Sprotte wuchs in Röcken und Leipzig auf. Im Jahr 2001 absolvierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München den Abschluss als Magister in den Fächern Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Psychologie.

Einen wesentlichen Einfluss auf ihren künstlerischen und kunsttherapeutischen Werdegang hatten Ihre Hochschullehrer Prof. Dr. Hans Daucher und Prof. Dr. Wolfgang Kehr sowie die Münchener Künstlerin und Kunsttherapeutin Thurid Steward.

 
Landschaft in Transsilvanien (2013)
mentis habitu (2013)

Lebenslauf

Lesender (1990)
Holunder (2013)
Holunder (2013)

Ausbildung

1986
Abitur in Leipzig

1986 – 1989
Ausbildung als Buchhändlerin, Leipzig

1992
Abschluss: Buchhändlerin an der IHK in Stuttgart

1994 – 2001
Studium der Kunstpädagogik, Kunstgeschichte u. Psychologie an der LMU in München, Abschluss: Magister Artium (M.A.) Schülerin von Prof. Dr. Hans Daucher u. Prof. Dr. Wolfgang Kehr; Fortbildung im Bereich der Kunsttherapie bei Barbara Boelke an der LMU München

2004 – 2005
Berufsbegleitende hochschulnahe systemische Zusatzausbildung bei Prof. Dr. G. Neubeck-Fischer

2009
Abschluss: Heilpraktiker für Psychotherapie

2009 – 2011
Ausbildung zur Kunsttherapeutin bei Thurid Steward am „KI-Institut“ in München

Berufstätigkeit

1986 – 1989
Auszubildende des Volksbuchhandels Leipzig

1990 – 1992
Buchhändlerin in Biberach, Buchhandlung „Weichhardt“

1993 – 1994
Bibliothekarin, Gemeindebücherei Murnau

2001 – 2009
Fachbereichsleitung der Therapie im Marienheim, Peiting

2010 – 2016
Therapeutischer Fachdienst im Marienheim, Peiting                                           

2011 – 2014
Privatdozentin im Fachbereich Kunsttherapie und Kunstpädagogik bei „Campus Naturalis“, München  

2016 – 2017
Fachbereichsleitung der Therapie im Marienheim, Peiting

seit 2015
Promotionsvorhaben an der Universität Augsburg bei Frau Prof. Dr. C. Kirchner; 2018 Übernahme der Betreuung durch Frau Prof.Titze, Hochschule für Bildende Künste, Dresden

Berufspraxis

2001 – 2009
Leitung und Planung des Bereichs der Beschäftigungstherapie, Organisation von Ausstellungen mit Werken psychisch kranker Menschen in der Region von Peiting

2007, 2008 und 2016
Regelmäßige Teilhabe an Veranstaltungen und öffentlichen Vorträgen im Raum Oberbayern

2013
Intensive künstlerische Tätigkeit im Rahmen der Künstlervereinigung „Tusculum“, Murnau in Oberbayern und Europaweit über euroArt, z.B. in Baia Mare, Rumänien 

2014 – 2018
zweite Vorsitzende in der Künstlervereinigung „Tusculum“, Murnau

Link: http://www.tusculum-murnau.de

2010 – 2016
Therapeutischer Fachdienst mit den Schwerpunkten: therapeutische Einzel- und Gruppenarbeit (v.a. in den Bereichen der Sozial- und Kunsttherapie), Krisenintervention und Coaching

2011 – 2014
Privatdozentin in der Erwachsenenbildung bei „Campus Naturalis“

seit 2017
Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Kunstpädagogik der Universität Augsburg

Irgendwo in Transsilvanien (2013)

Projekte

2008: Radierprojekt mit acht BewohnerInnen des “Marienheims” (Peiting) in Kooperation mit dem Künstler Petr Mayr

2016: Mitgestaltung eines internationalen Künstlertreffens „Kunst überwindet Grenzen“ in Kooperation mit euroArt, der Markt Gemeinde Murnau und der Künstlervereinigung „Tusculum“ in Murnau 

Foto: (c) Marion von Rohland  Layout: (c) Greta Rief

Link zu euroArt: https://euroart.gallery

Publikationen/ Vorträge

Kupfer, Y./ Rief, G. (2016). Kunst überwindet Grenzen. Murnau.

Poster-Präsentation (2016): „Systematische Sprachanalyse: Führt sie zum Nachweis therapeutischer Veränderungen in der Kunsttherapie?“, Forschungstagung der künstlerischen Therapien, Remscheid.

Poster-Präsentation (2018): „Systematische Sprachanalyse: Führt sie zum Nachweis therapeutischer Veränderungen in der Kunsttherapie?“ – Update -, Forschungstagung der künstlerischen Therapien, Remscheid.

Vortrag (2019): Systematische Sprachanalyse: Führt sie zum Nachweis therapeutischer Veränderungen in der Kunsttherapie?“ , DGPPN-Kongress, Berlin.

 

Ausstellungen (Auswahl)

1997
Videoinstallation „Stadtflucht“, Institut für Kunstpädagogik der LMU München
1997
UNSER UNIVERSUM, Fotografische Ansichten, Institut für Kunstpädagogik der LMU München
2000
„Radierungen und Zeichnungen“, Künstlervereinigung „Tusculum“, Murnau
2013
Internationales Künstlertreffen, Stadtgalerie Baia Mare, Rumänien
2017
Gemeinschaftsausstellung zum 16. Tag der ungarischen Malerei im „Bálna“,
Budapest
2020
Teilnahme am Wettbewerb “Der menschliche Körper” in der MSE-Kunsthalle, Unterammergau

Organisation und Begleitung von Ausstellungen psychisch kranker Menschen

2007, 2009
Ausstellungen psychisch kranker Menschen aus dem „Marienheim“ in der Herzogsägmühle in Peiting

2016
„Kunst als Therapie“ Kunstausstellung von Dr. med. vet. W. Schönweitz im Foyer der Raiffeisenbank in Peiting

Sprotten (2015)
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Selbstporträts der Studienteilnehmer (2016)

Dissertation

„Therapeutengeführte Gespräche mit schizophrenen Patienten über ihre eigenen Bilder in der Kunsttherapie - eine quantitative Einzelfallstudie mittels Text- und Stimmanalyse “

Hintergrund: Die Schizophrenie verursacht krankheitstypische Einschränkungen, die in der Kommunikation mit dem Patienten ein kaum zu überwindendes Hindernis darstellen. Künstlerische Therapien nutzen darum Formen der Kommunikation, die nonverbal-kreative Elemente enthalten. In der Kunsttherapie gestaltet der Patient Bilder und findet in deren Betrachtung mit dem Therapeuten ggf. einen gemeinsamen Gesprächsfaden. Eine solche Entwicklung wurde von der Autorin bei einigen ihrer Patienten wahrgenommen, und zwar über den subjektiven Eindruck einer Änderung ihrer Sprache und Stimme. Die Studie sollte diese Beobachtungen objektivieren, und zwar mittels Text- und Stimmanalyse der im Therapieverlauf regelmäßig stattfindenden digital aufgezeichneten Interviews.

Methode: In die explorative Einzelfallstudie (Single-subject research study [SSR] in einem isolierten B-Design) wurden sieben Patienten (n = 7) eingeschlossen. Sie befanden sich stationär in einer beschützten Einrichtung und litten unter einer langjährigen Schizophrenie. Sie sollten über einen Studienzeitraum von sechs Monaten an wöchentlichen Gruppenkunsttherapien teilnehmen, und dabei bildnerisch tätig werden. In einer KT-therapeutengeführten Bildbesprechung (KT-TGBB) sprachen sie über die entstandenen Bilder. Es erfolgte eine duale automatisierte computergestützte Analyse der so gewonnenen Audiodokumente. Und zwar zum einen mittels einer wörterbuchbasierten Textanalyse. Diese arbeitet mit dem Linguistic Inquiriy and Word Count (LIWC2015) und brachte 61 Ausgabeparameter in die Datenanalyse. Zum anderen mittels VocEmoApI (Voice Emotion Recognition by Appraisal Inference), einer Stimmanalyse-Software, die das Powerspektrum der Stimmen in kurze Sequenzen gliedert, in denen die Bewertung emotionaler und prosodischer Merkmale anhand validierter Algorithmen erfolgt. Davon wurden 60 Ausgabeparameter in die Datenanalyse eingeschlossen. So sollte aus dem dualen Einsatz aus Text- und Stimmanalyse eine interne Kontrolle der Studienergebnisse resultieren. Inwieweit das gelang, sollten die Korrelationen zeigen, die sich aus den Ausgabeparametern beider Methoden errechnen ließen. Die statistische Auswertung der Datensätze von LIWC2015 und VocEmoApI erfolgte mit den Methoden der deskriptiven Statistik, der explorativen Faktoren- und linearen Regressionsanalyse.

Ergebnisse: Zur Auswertung kamen die Audiodokumente aller sieben Studienteilnehmer. Sechs Teilnehmer beendeten die Studie zum vorgesehenen Zeitpunkt nach sechs Monaten, einer durfte nach vier Monaten die Einrichtung verlassen, seine bis dahin vollständigen Audiodokumente wurden in die Auswertung der Studie einbezogen. Von insgesamt 140 möglichen Interviews fanden 115 statt. Der Datenverlust für die gesamte Studiengruppe betrug demnach 18%. 

Mit Hilfe der Deskriptivstatistik wurde für den gesamten Studienverlauf eine individuelle Rangliste aller Merkmale der Text- und Stimmanalyse erstellt, und zwar in Abstufung der durch den Algorithmus erzeugten Bewertungen. Die sechs ranghöchsten Merkmale eines jeden Studienteilnehmers wurden zur weiteren statistischen Auswertung zu individuellen Leitparametern erklärt. Während sich diese Leitparameter aus dem Wortgebrauch (Textanalyse) unter den Studienteilnehmern homogen verteilten, ergab sich bei den aus der Stimmanalyse gewonnenen Leitparametern, dem individuellen affektiven Ausdrucksmuster, eine komplett gegensätzliche Verteilung zwischen den männlichen und weiblichen Teilnehmern.

Die explorative Faktorenanalyse errechnete für die Ergebnisse beider Untersuchungsinstrumente fünf Faktoren. Sie wurden als Zielparameter im Studienverlauf eingesetzt, und erhielten die Bedeutung von Surrogat-Markern für Veränderungen von Sprache und Stimme.

Die quantitativen Einzelfallanalysen zeigten für die LIWC2015-Faktoren ausschließlich individuelle Verläufe. Die Faktoren (Zielparameter) der Stimmanalyse (VocEmoApI) ließen im Studienverlauf bei drei der sieben Teilnehmern komplexe und vor allem auch systematische Veränderungen erkennen. Diese bestanden im Gleichklang einer bedeutenden linearen Abnahme negativer Emotionen, nämlich von Frustration, Stress, Panik & Angst. Bei zwei Studienteilnehmern ergab sich darüber hinaus auch eine Zunahme eines weiteren Faktors, der auf Grund seiner emotionalen Charakteristika als Introversion bezeichnet wurde. Alle genannten Veränderungen wurden erst gegen Ende des dritten Studienmonats statistisch auffällig, um z.T. erst zum Studienende das Signifikanzniveau zu erreichen. Im Kontrast zu den Einzelfallanalysen zeigten sich über die gesamte Stichprobe signifikante Veränderungen im Studienverlauf der LIWC2015-Faktoren, und zwar im Sinne einer Zunahme bei den so benannten Faktoren Präsenz und Selbstkritische Analyse.  

Die Aussagekraft der Studienergebnisse sollte durch den dualen Studienansatz i.S. einer internen Kontrolle durch Korrelationen zwischen den Faktoren der Text- und Stimmanalyse gesichert werden. Bei den Einzelfallanalysen ließen sich nur individuelle Zusammenhänge aufzeigen. Über das Gesamtkollektiv zeigten sich hingegen auch Korrelationen, die Faktoren, Leitparameter und quantifizierte Einzelemotionen der Text- und Stimmanalyse, in einen statistisch gesicherten Zusammenhang brachten.

Schlussfolgerung: Sieben chronisch schizophrene Studienteilnehmer nahmen über sechs Monate meist kontinuierlich an einer kunsttherapeutischen Studie aus wöchentlicher Gruppenkunsttherapie und anschließendem Einzelinterview teil. Damit erwies sich die innere Struktur der KT-Intervention aus KT-Bildentstehung und KT-TGBB als geeignetes Instrument, um die Adhärenz der Teilnehmer an der Studie über einen Zeitraum aufrecht zu erhalten.

Die Ergebnisse der LIWC2015-Faktoren Präsenz und Selbstkritischen Analyse könnten als positive sprachliche Entwicklung der sieben chronisch schizophrenen Studienpatienten und damit als Kriterium für einen Trainingseffekt geltend gemacht werden. Die über die Faktoren der Stimmanalyse (z.B. Stress, Panik & Angst) gemessenen Veränderungen belegen, dass im Studienverlauf eine Aktivierung von Emotionen stattgefunden hat, die als kathartischer Heilungsprozess interpretiert werden könnten.

Die in dieser Studie vorgestellten Methoden aus Text- und Stimmanalyse könnten somit zur quantitativen Erforschung der Wirksamkeit von kunsttherapeutischen Prozessen eingesetzt und weiterentwickelt werden.